Verfasst von: ish in: 27. August 2008
In der Welt von Anzügen oder Blaumännern und 9-to-5-Jobs (oder tariflichen Arbeitszeiten) ist Arbeit das wo man hingeht und wofür man bezahlt wird.
Heute wurde mir mal wieder schmerzlich bewusst, dass das als Selbstständige, noch dazu als Autorin, einfach ein fatales Konzept ist. Eins, das ich erst mal aus den Hirnwindungen bekommen muss.
Die Wahrnehmung anderer von Autoren ist oft, ihr habt doch jede Menge (Frei-) Zeit und tut eigentlich nicht wirklich was. Diese Wahrnehmung übernimmt man ganz schnell. Hey, schliesslich kann sich jeder hinsetzen und ein Buch schreiben. Wenn er nur genug Zeit hätte…
Dass dem keineswegs so ist aus einer Vielzahl von Gründen, möge mal Thema für ein anderes Post sein. Heute geht es mir um Arbeit. Was ist Arbeit?
Ich schrieb mir heute in den IRC-Channel, den ich mit meiner zeitweiligen Co-Autorin bevölkere:
Lektion des Tages. Rezepte Testkochen ist Arbeiten.
Erkenntnis des Tages wäre auch passend gewesen.
Sicher. Theoretisch weiss ich dass eine Kochbuchautorin geschätzt 60-75% ihrer Zeit mit Recherche, dem Lesen anderer Kochbücher und Referenzliteratur, und vor allem dem Ausprobieren von Rezepten (so man nicht ein Ist-mir-doch-egal-obs-tut Rezeptschreiber ist) verbringt. Das Schreiben und Redigieren, so anstrengend es auch ist, ist Peanuts dagegen. Und doch.
Da sitzt man also rum und liest. Zum Beispiel habe ich einen fantastischen Cyberpunk-Thriller hier liegen, den ich für den Rewrite meines eigenen SciFi-Thrillers lesen will/muss. Ist das Lesen Arbeit? Ja, ist es. Aber das zu verinnerlichen ist nicht einfach, besonders nicht wenn man wie ich zur Kategorie ADSler gehört.
Hell, yeah, das Arbeiten, Lesen, Recherchieren kann Spass machen – ist es deswegen weniger Arbeit? Nur weil anderen Leuten ihre Jobs vielleicht weniger Spass machen (kann ich da was für?) ist es nicht weniger zeitaufwändig und hirnschmalzfordernd. Sogar Denken kann Arbeit sein. Wer das nicht glaubt, hat noch nie eine Diplomarbeit oder ähnliches geschrieben. Es reicht ja nicht sich 3 Tonnen Sekundärliteratur auf den Lesestapel zu packen. Man muss auch etwas eigenes daraus machen, und geistige Arbeit *ist* anstrengend.
Da Gehirn verbraucht 20-30 Prozent der Energie unseres Körpers, warum wohl?
Arbeit ist Arbeit und man muss auch Dinge als Arbeit sehen, die andere im ersten Moment nicht so sehen würden.
sagt meine Co-Autorin zu mir. Es wissen und es verinnerlichen, sind zwei Paar Schuhe.
Ich arbeite dran. Pun intended.
28. August 2008 um 11:26
„Da Gehirn verbraucht 20-30 Prozent der Energie unseres Körpers“
Allerdings auch dann, wenn es nicht „arbeitet„.
Siehe auch: Arbeit und Langeweile